Schwerpunkt Internationales und Europäisches Wirtschaftsrecht (IEWR)

Verantwortlicher für den Schwerpunktbereich IEWR

Prof. Dr. Gralf-Peter Calliess 

Aktuelle Veranstaltungen in diesem Schwerpunkt

Sommersemester 2016

Inhalte und Ziele von IEWR

Der Schwerpunkt IEWR widmet sich den rechtlichen Rahmenbedingungen der Wirtschaft im Angesicht der Verwirklichung des europäischen Binnenmarkts und zunehmend global vernetzter Märkte. Diese Zusammenhänge werden aus zwei Perspektiven beleuchtet:

Im Wirtschaftsrecht I liegt der Fokus auf dem Steuer- und Gesellschaftsrecht und dabei insbesondere auf der Frage, wie sich Unternehmen rechtlich organisieren können. Die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten haben sich durch die Europäisierung des Gesellschaftsrechts vervielfacht. Konzerne agieren zunehmend transnational und stellen neuartige Anforderungen an die Rechtssysteme. Der immer stärkere Einfluss des Finanzmarktes auf das globale Wirtschaftsgeschehen verändert Art und Umfang der zu beachtenden Regelungen. Vor diesem Hintergrund geht es um die Frage, warum Unternehmen eine bestimmte Organisationsform wählen. Neben den unmittelbaren gesellschafts- und kapitalmarktrechtlichen Vor- und Nachteilen sind bei der Organisationswahl sowie dem Wechsel der Organisationsform insbesondere steuerrechtliche Aspekte zu beachten.

Im Wirtschaftsrecht II stehen mit dem Wettbewerbs- und Kartellrecht Aspekte der Wirtschaftsverfassung im Mittelpunkt. Das mithilfe von staatlichen Behörden durchgesetzte Kartellrecht soll die Freiheit des Wettbewerbs von privaten Beschränkungen wie Preisabsprachen oder missbräuchlichem Marktverhalten von Monopolisten schützen, die Fusionskontrolle befindet sich im Schnittbereich zum Gesellschaftsrecht. Das Wettbewerbsrecht soll die Marktteilnehmer hingegen vor unlauteren Geschäftspraktiken wie intransparenter, unsachlicher oder irreführender Werbung schützen, wobei die Rechtsdurchsetzung privaten Mitbewerbern und Verbänden überlassen bleibt. Während das deutsche Kartellrecht weitgehend vom unmittelbar anwendbaren europäischen Kartellrecht überlagert und verdrängt wird, ist das Wettbewerbsrecht durch europäische Richtlinien harmonisiert, die vom deutschen Gesetzgeber umzusetzen sind.

Der Wahlpflichtbereich wird einerseits von wissenschaftlichen Seminaren geprägt, welche auf die Schwerpunktexamenshausarbeit vorbereiten. Neben den dogmatischen Fragen des deutschen und europäischen Wirtschaftsrechts geht es hier um die Frage, wer die Verfassung transnationaler Unternehmen und globaler Wettbewerbsmärkte jenseits der Europäischen Union gewährleistet. Die jüngste Finanzkrise bietet nicht nur Anlass zu fragen, ob der Gesetzgeber dem freien Spiel der Marktkräfte Grenzen setzen soll, sondern auch, ob er dies im internationalen Wettbewerb der Rechtsordnungen überhaupt noch wirksam kann, und wie eine transnationale Wirtschaftsverfassung funktionieren könnte.

Andererseits wird das Curriculum von praxisorientierten Veranstaltungen ergänzt und bietet so eine Vielzahl von Kontaktmöglichkeiten für den zukünftigen Berufseinstieg. Diese Kontakte werden von dem eigens hierfür gegründeten Verein zur Förderung des Handelsrechts an der Universität Bremen e.V. gepflegt. Studierende des Schwerpunkts können über den Verein an Fortbildungsveranstaltungen in der Bremer Handelskammer zusammen mit Praktikern aus verschiedensten Wirtschaftszweigen teilnehmen. Die besten Absolventen des Schwerpunkts IEWR werden jährlich vom Verein mit einem Preis ausgezeichnet.

Das Schwerpunktstudium IEWR vermittelt den Studierenden fundierte Kenntnisse in den Grundlagen und Kernfächern des Wirtschaftsrechts. Auf Basis dieser breiten Ausbildung behalten die Absolventen (m/w) den Überblick und können sich später als Wirtschaftsanwälte, Unternehmensjuristen, Juristen in der Wirtschaftsverwaltung oder Richter in Zivil- und Handelssachen (jeweils m/w) schnell und bedarfsgerecht in Spezialgebiete einarbeiten.

Curriculum des Schwerpunktbereichs IEWR

I. Pflichtmodule (S = Sommersemester; W = Wintersemester)

Wirtschaftsrecht I

S: Kapitalgesellschaftsrecht (Prof. Dr. Thilo Kuntz, LL.M.)

W: Steuerrecht (Honorarprof. RA Dr. Dietrich Grashoff)

Wirtschaftsrecht II

S: Kartellrecht (Prof. Dr. Gralf-Peter Calliess)

W: Unlauterer Wettbewerb (Prof. Dr. Christoph Schmid)

II. Wahlpflichtmodule (das Angebot wechselt, Beispiele aus dem Jahr 2015)

Sommersemester

Vertiefung Gesellschaftsrecht (RA Dr. Dirk Weitze-Scholl)

Insolvenzrecht (PräsAG Uwe Lissau)

Gewerblicher Rechtsschutz I (Honorarprof. Dr. Heinz Goddar)

Seminar zum Gesellschaftsrecht (Prof. Dr. Thilo Kuntz, LL.M.)

Seminar zur internationalen Schiedsgerichtsbarkeit (Moot) (Prof. Dr. Moritz Renner)

Seminar zur Parteiautonomie (Prof. Dr. Gralf-Peter Calliess)

Transnationales Handelsrecht (UN-Kaufrecht) (Dr. Olaf Meyer)

Immaterialgüterrecht (Englisch) (Prof. Dr. Christoph Schmid/Dr. Chenguo Zhang)

Wintersemester

Gewerblicher Rechtsschutz II (Honorarprof. Dr. Heinz Goddar)

Transport- und Logistikrecht (Prof. Dr. Thomas Wieske (HS BHV))

Seminar zum transnationalen Handelsrecht (Prof. Dr. Gralf-Peter Calliess)

Seminar zum Europäischen Wirtschaftsverfassungsrecht (Prof. Dr. Christoph Schmid)

Seminar zum Finanzmarktrecht (Prof. Dr. Thilo Kuntz)

Seminar zum transnationalen Konzernrecht (Prof. Dr. Moritz Renner)

 

Universitäre Schwerpunktbereichsprüfung

Die Schwerpunktbereichsprüfung besteht gem. §§ 30 ff. Prüfungsordnung (2010) aus einer schriftlichen Themenarbeit und einer mündlichen Prüfung. Die Hausarbeit wird aus dem Themenspektrum der Pflicht- und Wahlpflichtmodule gestellt. Die Bearbeitungszeit beträgt vier Wochen, die Bewertung erfolgt anonymisiert durch zwei Prüfer, die i.d.R. im Schwerpunktbereich gelehrt haben. Dieselben Prüfer nehmen auch die mündliche Prüfung ab. Ein Merkblatt zur Erstellung der Hausarbeit im SP IEWR finden Sie hier. Eine Musterthemenhausarbeit finden Sie hier. Ein Merkblatt zur mündlichen Prüfung finden Sie hier.